Schokolade und Menschenrechte – Nestlé nimmt den Kampf gegen das schlechte Image auf

Führung auf einer Kakaoplantage

Führung auf einer Kakaoplantage (Bild: flickr.com)

Bereits seit Jahren sieht sich der Lebensmittelriese Nestlé mit vielfältiger Kritik an seinen Produktionsbedingungen konfrontiert. Um mit dem schlechten Image in der Schokoladenherstellung aufzuräumen, hat Nestlé seine Lieferkette von der Fair Labor Association (FLA) nachverfolgen und bewerten lassen. Die Ergebnisse sind nicht neu – der eingeschlagene Weg schon.

Noch im Oktober 2010 konnten Zuschauer der ARD sehen, wie der dänische Filmemacher Miki Mistrati in seiner Dokumentation Schmutzige Schokolade vor dem Nestlé-Firmensitz steht und erdrückende Beweise hervorbringt, die Nestlé direkt in Verbindung mit Kinderarbeit und anderen Missständen auf Kakaoplantagen brachte. Ein gutes Jahr später gab die FLA auf ihrer Homepage bekannt, eine Kooperation mit Nestlé zur Zurückverfolgung und Bewertung der Lieferkette in der Schokoladenherstellung eingegangen zu sein. Das Projekt, das im Dezember 2011 startete, beschäftigte sich mit Nestlés Kakaolieferkette in Westafrika (v.a. Elfenbeinküste), wobei ein zentraler Gesichtspunkt der Analyse die Kinderarbeit werden sollte.

Bericht deckt schwere Versäumnisse auf

Ein ausgewähltes Team reiste zur Untersuchung der Sachlage zu Beginn des Jahres 2012 nach Westafrika, wo unter anderem 87 Kakaofarmen besucht und über 500 Interviews mit Männern, Frauen und Kindern geführt wurden. Die Ergebnisse der Analyse, die im Juni 2012 in einem Bericht der FLA veröffentlicht wurden, konnten aber nicht mehr, als die Befürchtungen bestätigen. Der Bericht offenbarte Versäumnisse im internationalen Management System von Nestlé, die beträchtliche Auswirkungen auf die Produktionsumstände in Westafrika nach sich ziehen. Der Hauptbefund: Kinderarbeit ist keine Ausnahme, obwohl das gegen die ethischen Grundprinzipien von Nestlé verstößt. Laut dem FLA-Bericht ist der Grund dafür, dass die Bemühungen der Industrie zur Eliminierung von Kinderarbeit im Sande verlaufen, dass sich die Verantwortlichen auf nahezu allen Stufen der Lieferkette des Problems nicht richtig bewusst sind, oder nicht entsprechend geschult sind, um die Unternehmensprinzipien durchzusetzen. Auch das Fehlen von lokalen Gesetzen für die rechtliche Garantierung von fairen und sicheren Arbeitsbedingungen trägt zu Missständen bei. Zum Alltag der Kakaoarbeiter gehören daher u.a. die gefährliche Arbeit mit Macheten, eine Arbeitswoche mit z.T. deutlich mehr als 60 Stunden, kaum Gelegenheiten sich zu organisieren und im besten Fall ein unzureichender Lohn, von dem nicht einmal die Grundbedürfnisse befriedigt werden können. In schlimmeren Fällen erhalten die Arbeiter gar keinen Lohn.

FLA empfiehlt – Nestlé reagiert

Werbeschild von Nestlé

Werbeschild von Nestlé (Bild: flickr.com)

Im Anschluss an den Bericht formuliert die FLA konkrete Empfehlungen an Nestlé: die Mitarbeiter in der gesamten Lieferkette sollten im Bezug auf die Unternehmensprinzipien besser geschult und sensibilisiert werden, eine bessere Überwachung der Umsetzung dieser Prinzipien sollte sichergestellt werden und die Perspektiven der Arbeiter sollten verbessert werden, z.B. durch die Einrichtung von Berufsschulen oder durch bessere Verdienstmöglichkeiten.

Und Nestlé? – Das weltweit größte Nahrungsmittelunternehmen, das bereits zuvor mit der FLA zur Bewertung seiner Haselnuss-Lieferkette in der Türkei kooperiert hatte, macht mit seinen Vorsätzen ernst und reagiert. Bereits kurz nach Anlaufen der Kooperation stellte Nestlé einen Antrag auf eine Teilnahme in der FLA, der im Februar 2012 von der FLA angenommen wurde. Damit verpflichtete sich Nestlé die zehn FLA-Prinzipien und einen Code of Conduct für seine Lieferketten einzuhalten. Diese Einhaltung wird von der FLA unabhängig bewertet, die Resultate werden anschließend auf der FLA-Homepage veröffentlicht. Zudem hat sich Nestlé den Empfehlungen der FLA, die aus dem Abschlussbericht hervorgehen, angenommen und einen 3-Phasen-Plan entwickelt, der in Etappen bis zum Ende der Jahre 2012, 2013 und 2016 verwirklicht werden soll.

Ein langer Weg bis zur fairen Schokolade

Laut FLA Präsident Auret van Heeren war dies das erste Mal, dass ein multinationaler Schokoladenhersteller Einblicke in das gesamte Produktionssystem zur Zurückverfolgung und Bewertung gegeben habe. Nestlé übernehme damit direkte Verantwortung für ein Problem, dass jeden angehe, aber für das sich niemand verantwortlich fühle. Van Heeren betonte aber auch, dass Nestlé noch einen langen Weg vor sich habe und die Beseitigung von Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ein langwieriger Prozess sein werde. Ernsthafte Ansätze müssten am Anfang der Lieferkette starten (bottom-up) und damit beginnen, die Lebensumstände der betroffenen Menschen und die lokalen Begebenheiten kennen und verstehen zu lernen.

Alle Berichte der FLA sind online über deren Internetauftritt zugänglich.

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